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CHRONIK DES VEREINS

Im Bestreben, die jahrhundertealte Tradition des seit 1333 urkundlich nachgewiesenen Blei-Zink-Erzbergbaues Bleiberg auch in Zukunft zu erhalten, hat sich eine Gruppe Gleichgesinnter gefunden. Sie hielt unter Führung von Vorstandsdirektor Dr. Adolf Salzmann am 16.6.1988 die Gründungsversammlung ab.


In den Vereinsvorstand wurden damals gewählt:

Obmann: DI E. Eckhart

Obmann-Stellv.: DI H. Petz

Schriftführer: DI W. Friedmann

Schriftführer-Stellv.: H. Holzfeind

Kassier: D. Dobernig

Kassier-Stellv.: G. Zaworka

 

Schon der Vereinsname "Verein zur Pflege der Bergmannskultur" nahm Bezug auf die Aufgaben, die in den Statuten noch genauer ausgeführt sind:


- die Pflege und Förderung der Bergmannskultur

- die Errichtung und Betreibung eines Bergbaumuseums

- die Förderung der bergmännischen Kulturträger

- die Durchführung von traditionellen und historischen Bergmannsveranstaltungen

- die Veranstaltung von Vorträgen, Ausstellungen und Exkursionen, mit denen ein enger Kontakt zwischen der Montanwissenschaft und allen Kreisen

der Bevölkerung hergestellt und ein großes Verständnis für bergbaukulturelle und bergbautechnische Belange erreicht werden soll.


In der Jahreshauptversammlung vom 26.4.2000 wurde der Name auf "Bergmännischer Kulturverein Bad Bleiberg" geändert.


Ab Mitte 1989 befaßte sich ein Arbeitskreis mit der Beschilderung historisch wertvoller Gebäude und günstig gelegener Stollen-Mundlöcher. Friedmann fotografierte Tafeln in mehreren Städten, von denen eine nach Absprache mit dem Bundesdenkmalamt ausgewählt wurde.


Der Arbeitskreis verfaßte Kurztexte für folgende Objekte:


Knappenkirche "Maria am Stein", Kirche St. Florian, Kirche St. Heinrich, Evangelische Kirche, Bartolomäus-Kapelle, Bergdirektion, Bergamtshaus, Knappenhaus, Rudolfschacht, Ehemaliges Aufbereitungsgebäude Rudolf, Antonischacht, Kastl-Zubau, Stollenmundloch "Jakobi & Anna", Kaiser-Franz-Leopold-Erbstollen, Friedrichstollen, Pulverturm, Alte Volksschule Bad Bleiberg, Alte Volksschule Kreuth, Hüttenschafferhaus, Antoni-Grubenhaus, Heinrichhütte, Heinrich-Pochwerk, Baronhaus, Theresienhof, ehemaliges Khevenhüller-Jagdschloß, Altes Knappenhaus, ehemaliges Altes Bergrevier-Spital, ehemaliges Neues Bergrevier-Spital.


Ein Schwerpunkt der Vereinstätigkeit ist die Durchführung von Vorträgen, die meistens einen Bezug zum Bergbau haben. Hofrat Sika begann die Serie im September 1989 mit dem Vortrag "Darstellung der montanhistorischen Bausubstanz in Böckstein und Bad Bleiberg". Ab Mai 1989 trafen wir uns mehr oder minder regelmäßig zum Stammtisch im Gasthaus Wirnsperger, bei dem auch meistens ein Vortrag auf dem Programm stand. Die Veranstaltungen schlossen mit einem gemütlichen Beisammensein bei anregenden Gesprächen.


1992 faßte der Verein den Entschluß, das vergriffene Buch unseres Vereinsmitgliedes Herbert Stauder "Sagen rund um den Dobratsch" in einer Auflage von 3 000 Stück drucken zu lassen. Inzwischen wurden ca. 2 000 Stück verkauft.


Im Bestreben, Finanzmittel für die meist leere Vereinskasse aufzutreiben, ließen wir 1 000 Bleiabgüsse eines Fröger Pferdchens anfertigen, die in Bleiberger Geschäften zum Verkauf angeboten werden. Das Original wurde in einem 800 v. Chr. datierten hallstattzeitlichen Gräberfeld in der Nähe des Faaker Sees gefunden.


Nach 660 Jahren urkundlich nachgewiesener Bergbautätigkeit wurde am 1.10.1993 der letzte Hunt Erz aus dem Antonischacht gefördert. Es galt, den Schock der Schließung zu überwinden und Brücken in die Zukunft zu bauen. Die Aufgabe des Vereines, die Tradition des Bergbaus zu bewahren und zu pflegen, war nun noch wichtiger.


Der Verein setzte sich für die Erhaltung und Nachnutzung der Anlagen beim Rudolf- und Antonischacht ein. Unser Vereinsmitglied DI Klaus Jedlicka errichtete ein Bergbaumuseum im Terra-Mystica-Gebäude und kämpfte für die Rettung des einzigen Rundherdofens Europas.

Er diente bis 1993 in Arnoldstein zum Erschmelzen von metallischem Blei aus Bleiberger Bleikonzentraten  und Akkumulatorenschrott. Werkmeister Ernst Mußnig, Johann Tschachler und Mitarbeiter aus Bad Bleiberg und Arnoldstein wandten hierfür ca. 500 Arbeitsstunden auf. Klaus Jedlicka erlitt bei diesen Montagearbeiten einen tödlichen Unfall, wodurch seine vorbildliche Arbeit als unser Vereinsobmann im Jänner 1997 ein jähes Ende fand.


Im März 1996 erschien die erste Nummer unseres Mitteilungsblattes "Glück auf!", die an 1 000 Haushalte unseres Tals verschickt wurde. Es ist vor allem der Initiative von Romuald Fortin zu danken, daß noch weitere Nummern im September und Oktober 1996, im September 1997 und November 1999 herauskamen.


Nach der Schließung des Bergbaus im Jahr 1993 hatte die BBU i. L. den Auftrag, Zugänge zum Bergbau, die eine Gefahr für Menschen darstellen können, zu verschließen, Von den ca. 1 000 ursprünglich vorhandenen Stollen sind 79 unter 30 m im standfesten Gestein offen geblieben, 29 als Schaustollen hergerichtet und 53 Stollen bzw. Grubenbaue an Erhalter übergeben worden. Sie haben mit großem persönlichen und finanziellen Einsatz und mit viel Liebe die montanhistorisch wertvollen Schrämstollen in ihr Eigentum und damit in ihre Verantwortung übernommen. Sie sind die "Junggewerken", die hoffentlich die Bergbautradition in Bad Bleiberg über Generationen hinweg erhalten werden.


Viele der Junggewerken aus dem Tal, aber auch von auswärts, sind Vereinsmitglieder. Der Verein unterstützte die Junggewerken bei Rechtsfragen und bei Vertragserstellung mit den Grundbesitzern. Die Österreichischen Bundesforste als Hauptansprechpartner haben das jährliche Entgelt für die Zugangsberechtigung zum Mundloch mehrmals erhöht. Derzeit kämpft der Verein gemeinsam mit Bürgermeister Illing gegen die Zahlungsvorschreibung von EUR 1 000,- pro Jahr und Stollen für die Errichtung und laufende Unterhaltung einer zentralen Hauptstelle für das Grubenrettungswesen in Leoben.


Die BBU i. L. veranstaltete am 4.12.1997 erstmals die Barbarafeier gemeinsam mit dem Bergmännischen Kulturverein Bad Bleiberg, Damit wurden die Weichen für eine neue Trägerschaft der Barbarafeier im Bleiberger Tal gestellt. Ab 1998 fand die Barbarafeier mit Ledersprung jeweils im Anschluß an den ökumenischen Gottesdienst in der Perschazeche statt.


Die Spielgemeinschaft als Träger des Bleiberger Knappenspiels - sie war zuletzt Teil des Bergmännischen Kulturvereins - löste sich nach 40jährigen Bestehens auf. Vereinsmitglied Robert Mösslacher hat 1958 bei der Erstaufführung des Knappenspiels Regie geführt.


Am 21.11.1998 wurden zwei Bleiberger Stirnkipper, beladen mit Blei- und Zinkerz, im Rahmen einer Patenschaftsfeier in Pradamano übergeben. Frau Bürgermeister Annamaria Menosso wagte den Sprung übers Leder. Bürgermeister Illing überreichte eine von Romuald Fortin zusammengestellte Fotomontage über die Errichtung von Werksgebäuden in Bad Bleiberg, an der auch Maurer aus Friaul mitgearbeitet hatten.


Von 12.4.1999 bis 11.4.2000 beschäftigte der Verein Frau DI Elisabeth Schwendner als vom AMS geförderte Fachkraft. Sie hat u. a. Vorarbeiten für das künftige Museum geleistet, indem sie Geräte und Dokumente sammelte, archivierte und aufbewahrte.


Am 30.5.1999 wurde eine Busfahrt zum 7. Österreichischen Knappen- und Hüttentag in Pöllau bei Hartberg organisiert. Unsere Abordnung marschierte bei der großen Bergparade mit.


Im Rahmen des Jubiläumsjahres "666 Jahre Bad Bleiberg" lud der Verein zum Fest "Lebendige Bergmannskultur im Bleiberger Tal" in die Millennniumshalle ein. Günter Zaworka trug Skurrilitäten aus dem Bergmannsleben vor. Romuald Fortin erzählte über Knappenhäuser im Tal. Die Bergmusik Bad Bleiberg und Herr Kapeller mit seiner Ziehharmonika sorgten für gute Stimmung.


Unser Verein übernahm die Patenschaft über das dreiwöchige Symposion junger Künstler "Zeitschnitte 2000 - post Bergbau", das unter der Leitung von Hartwig Walcher im ehemaligen Aufbereitungsgebäude stattfand. Uns ist es gelungen, Spenden von Bund und Land aufzutreiben.


Am 23.6.2002 nahm eine Abordnung des Bergmännischen Kulturvereins an der großen Bergparade des 12. Europäischen Knappen- und Hüttentages in Arnoldstein teil.


Ebenso waren wir am 6.6.2004 mit 20 Personen beim 10. Österreichischen Knappen- und Hüttentag in Hüttenberg vertreten, wo wir ebenfalls an der Bergparade teilnahmen.


Wir haben auch unsere Partnergemeinde Pradamano 2004 mit einem schönen Weihnachtsbaum aus Bad Bleiberg überrascht und sind dort in zwei Bussen erschienen.


Aktuell wird gerade eine Aufnahme ins Weltkulturerbe vorbereitet, wo alle tatkräftig mithelfen.


Walter Friedmann

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